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Geposted von Maxellent,
Am Dienstag fällt der Startschuss für die Playoffs der Prime League Pro Division. Im Vorfeld haben wir mit einem Spieler gesprochen, der 2020 noch nicht den großen Durchbruch in der Liga schaffen konnte und jetzt sogar auf Titeljagd geht. Die Rede ist von BIG-Mid-Laner Steven 'Reeker' Chen.


Bereits im ersten Prime-League-Jahr (2020) kam Reeker als großes Talent in die wichtigste deutschsprachige LoL-Liga. Der deutsche Mid-Laner spielte zunächst für SK Gaming Prime, ab dem Summer Split dann für BIG. Doch das vergangene Jahr war für Reeker keine Erfolgsgeschichte. In seinem ersten Split wurde er Letzter, mit BIG verpasste er im Sommer ebenfalls die Playoffs und bei den Season Finals war bereits in den Play-Ins Schluss.

Doch im laufenden Spring Split greifen die Berliner wieder die Spitze an: Mit vier neuen Mitspielern hat Reeker es geschafft, BIG zu einem der beiden Top-Teams der Prime League Pro Division zu machen. In den Playoffs geht es für ihn am Mittwoch um etwa 20:30 Uhr gegen den größten Konkurrenten MOUZ im Best-of-Three um den Finaleinzug. Grund genug für uns, um mit Reeker im Interview über die Achterbahnfahrt zu sprechen, die die letzten beiden Jahre für ihn gewesen sein dürften, und nach seinen Erwartungen für das restliche Jahr 2021 zu fragen.



Prime League: Hey Reeker! Danke, dass du dir für uns Zeit nimmst. Die Regular Season lief denkbar gut für euch und ihr habt euch den zweiten Platz gesichert, nur knapp hinter mousesports. Woran liegt das deiner Meinung nach?

Reeker: Die offiziellen Spiele laufen bei uns gut, aber wir diskutieren sehr viel in Scrims oder Reviews. Das gehört dazu, aber wichtig ist, dass wir alle auf einer Seite bleiben. Wenn ich zum Beispiel ein Play sehe, dann tue ich alles dafür, dass alle dieses Play sehen, damit niemand in den offiziellen Matches zögert, diesem Call zu folgen. Wir sind auch relativ schnell dabei und versuchen, dem Gegner keine Zeit zum Reagieren zu geben. Wir beherrschen zudem Teamfights und Skirmishes sehr gut, weil unsere Scrim-Matches oft sehr blutig sind. Sie helfen uns vielleicht nicht immer makrotechnisch, aber mechanisch ist es eigentlich immer eine ganz gute Übung.

Glaubst du, ständige Diskussionen sind dort förderlich, oder ist das manchmal eher hinderlich?

Das ist so ein 50:50. Wenn man sich in dem Moment streitet, dann steht natürlich das Negative im Vordergrund, wenn man zum Beispiel nicht dasselbe Play sieht. Die positiven Veränderungen werden meistens erst mit der Zeit sichtbar, weil wir alle daraus lernen können und wissen, was unsere Mitspieler denken.

Hast du den bisherigen Erfolg vor dem Saisonstart in der Form erwartet?

Den zweiten Platz habe ich nicht unbedingt erwartet, aber ich habe uns schon unter den besten drei bis vier Teams gesehen. Ich hätte gedacht, dass GamerLegion höher stehen würde. Schalke und SK waren kleine Fragezeichen. Insgesamt habe ich uns aber schon als Top-Team eingeschätzt, auch im Vergleich zum Rest der Liga.



Du wirst momentan viel für dein Spiel gelobt und deine Statistiken sprechen auch für dich. Wie zufrieden bist du mit deiner Leistung?

Das ist von Game zu Game unterschiedlich. Wenn ich einen guten Tag habe, wo ich alles ruhig runterspielen kann, dann bin ich zufrieden mit meinem Spiel. Es gibt auch hektische Tage, an denen mir meine Leistung dann nicht so gefällt. Zum Beispiel in dem Match gegen SK Gaming Prime am 15. Spieltag. In den Scrims dieses Jahr habe ich viel gelernt und ich bin mit meiner Entwicklung zufrieden, aber mit dem Leistungsstand noch nicht.

Man kennt dich ja ein bisschen auch als Ryze-Main. Wie abhängig vom Champion ist es bei dir, ob du dich im Spiel wohlfühlst?

Das ist egal. Es ist wichtiger, die gegnerische Team-Comp zu identifizieren und zu wissen, was man dagegen picken kann. Zum Beispiel ist mir im Nachhinein aufgefallen, dass SK Prime in dem Match, das wir gegen dieses Team verloren haben, Azir, Karma, Senna, Hecarim und Malphite gespielt hat. Das sind fünf Champions, die gut gegen Ryze funktionieren und ich habe ihn trotzdem gepickt. Das war mein Fehler und da habe ich meinen Job nicht gemacht. Die Zuversicht kommt aus dem Matchup gegen die Comp des Gegners, nicht daher, wie viele Games du auf dem Champ hast.

Du wurdest letztes Jahr schon als großes Talent angesehen. Warum hat es deiner Meinung nach mit SK dann so gar nicht funktioniert?

Ich wusste im Vergleich zu heute zu wenig über das Spiel. Ich hatte keine Ahnung, wie League of Legends wirklich funktioniert. Rückblickend glaube ich auch, dass niemand aus meinem damaligen Team eine Ahnung hatte, wie das Spiel funktioniert. Den Wissensstand, den ich jetzt habe, konnte ich in keinem Spieler dort sehen. Dieses Wissen braucht man aber, um erfolgreich zu sein.

Im Sommer hast du dann mit BIG wieder die Playoffs verpasst. Bei den Season Finals seid ihr in den Play-Ins ausgeschieden. Was ging dir nach dieser schwierigen Saison durch den Kopf?

Zuallererst die Frage, warum wir überhaupt verloren haben. Wir hatten gute Scrims und man konnte uns auch abnehmen, dass wir ein starkes Team waren. Wir haben im Sommer gegen die Top-Teams konstant gute Leistungen gezeigt, aber gegen die unteren Teams unnötige Niederlagen hinnehmen müssen. Ich habe keine Ahnung, woran das gelegen hat. Vielleicht, weil unsere unerfahrenen Spieler - damit meine ich auch mich - unter Druck nachgelassen haben. Spielerisch waren wir alle gut, aber wir hatten so einen kleinen Debuff in offiziellen Matches.

Kamen dir deswegen Selbstzweifel?

Zwischen Spring und Summer gab es die schon. Als ich von SK zu BIG gewechselt bin, war schon bekannt, dass ich nicht mehr Teil des Teams sein würde, bevor ich das überhaupt wusste. Da habe ich mich dann schon für kurze Zeit gefragt, wie es weitergehen soll. Ansonsten kamen mir Selbstzweifel in schlechteren Phasen immer mal wieder. Wenn du zwei gute Teams hast und es zweimal nicht in die Playoffs schaffst, dann liegt es natürlich nicht fernab, dass du denkst, dass du das Problem bist. Aber das war nie ein besonders starkes Gefühl. Ich bin eigentlich keiner, der Trübsal bläst.

Was unterscheidet dein jetziges Team von BIG 2020?

Wir sind dauerhaft auf der Suche nach einem Play. Es wird nie einfach nur auf Scaling gespielt, sondern wir schauen immer, auf welcher Seite wir gerade stark sind, wo das Tempo ist und wo wir uns einen Vorteil erspielen können. Wir sind viel proaktiver, schneller und bereitwilliger, Risiken einzugehen. Teamfights spielen wir immer sehr koordiniert, das ist eine große Stärke von uns.



Das klingt so ein bisschen nach dem G2-Ansatz. Guckt ihr auch die LEC und holt euch da Inspiration?

Gerade unser Top-Laner und unser Jungler sind eher sehr LPL-orientiert. Natürlich feiern wir auch alle G2. Es ist für mich auch unverständlich, wenn ein Pro-Player nicht G2 feiert, das ist das krasseste Team Europas. Aber wir gucken vor allem sehr viel LPL und nehmen unsere Inspiration und manchmal auch die Drafts daher.

Wie fühlst du dich mit dem aktuellen Erfolg? Auch im Hinblick auf die Kritik, die du letztes Jahr einstecken musstest.

Die Kritik habe ich selber nicht so wirklich mitbekommen. Ich bin aber letztes Jahr natürlich mit hohen Erwartungen in den Split gegangen und ich bleibe dieses Jahr einfach ganz ruhig. Ich habe mir erstmal die Playoffs als Ziel gesetzt und es ist schön, dass wir diesen Meilenstein problemlos erreicht haben. Jetzt geht es für mich erst einmal darum, uns auch weiterhin unter den zwei besten Teams zu etablieren. Ich versuche, auch wenn wir jetzt besser dastehen, weiterhin auf dem Boden zu bleiben.

Es sieht so ein bisschen nach dem Jahr des großen Reeker-Comebacks aus. Hast du das bei deinen Leistungen auch im Hinterkopf?

Nein, daran denke ich nicht. Ich bin an sich auch ein ruhiger Mensch und will mich nicht zu sehr darauf versteifen, irgendwas wiedergutzumachen. Ich schaue weiterhin nur auf mich und versuche mich zu verbessern. Slow and steady wins the race.

Wo siehst du dich im Vergleich zu den anderen Mid-Lanern in der Pro-Division?

Ich fand die Konkurrenz letztes Jahr etwas stärker, um ehrlich zu sein. Der einzige Mid-Laner, der einen richtig unter Druck setzen kann, ist LIDER mit seiner Irelia. Aber ich finde, du kannst aus dem Mid-Lane-Meta nicht mehr viel für das Eins-gegen-eins gewinnen. Laning ist weniger relevant geworden. Deswegen schaue ich in erster Linie, wer am meisten auf der Map macht und am besten mit seinem Jungler spielt. Ich finde, ich bin in diesem Kriterium oben dabei.

Nicht jeder spielt gerne Control-Mages statt Assassins. Was hältst du denn vom momentanen Mid-Lane-Meta?

Ich finde es in Ordnung. Wir sind gut in Teamfights und Control-Mages sind auch in diesem Aspekt stark. Du kannst dir schon kleinere Vorteile verschaffen und den Teamfight-Buff haben. Du machst zwar nicht viel im Eins-gegen-eins, aber man kann auch aus diesen Matchups viel lernen.

Was ändert sich für dich, wenn ihr in die Playoffs geht?

Ich glaube, das Format erlaubt uns, ein paar riskantere Picks zu spielen. Wir haben oft gute Drafts, aber das liegt daran, dass wir das Meta gut beherrschen. Das heißt aber nicht, dass wir nicht auch speziellere Picks in der Hinterhand haben. In dem ersten Spiel von einem Best-of-Five kann man schon mal einen Pick nehmen, der noch nicht viel Präsenz gezeigt hat, zum Beispiel Qiyana. Ansonsten ändert sich für uns nichts.



Was ist dir persönlich lieber? Ein normales Best-of-One oder ein K.O-Spiel im Best-of-Three oder Best-of-Five?

Ich würde sagen, Best-of-Three gefällt mir am besten. Es ist etwas länger, es gibt mehr zu spielen und man kann sich besser an die Gegner anpassen als beim Best-of-One.

Wie stark schätzt du dein Team im Vergleich zur Playoff-Konkurrenz ein?

Ich denke, wir bleiben ungefähr dort, wo wir sind. Wenn wir einen guten Tag haben, können wir auch mousesports besiegen. Aber ich sehe mouz grundsätzlich eher in der Favoritenrolle. Unser Ziel ist auf jeden Fall die Qualifikation für die Hauptrunde der European Masters, also der Finaleinzug in der Prime League.

Hast du ein persönliches Ziel, auf das du hinarbeitest?

Natürlich will jeder irgendwann die EU Masters gewinnen und sich weiter verbessern, um irgendwann vielleicht sogar in die LEC aufzusteigen. Da denke ich nicht anders als die meisten anderen Profispieler. Aber ich setze mir gerne kleine Meilensteine und der erste ist eben, die Top zwei zu erreichen und mich dann für die EU Masters zu qualifizieren. Ich habe in der Prime League noch nicht in den Playoffs gespielt und bei den European Masters erst recht keine Erfahrung. Das ist also definitiv das nächste Ziel.

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    Max E.
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